21.08.15

Zur Bildergalerie: Südkorea – Im Land des Robinienhonigs

Vor rund 2.000 Jahren soll die Honigbiene von Indien über China nach Goguryeo gelangt sein – einem der

drei Königreiche, die damals die koreanische Halbinsel und einen Teil des heutigen Chinas regierten. So

lautet zumindest die historische Überlieferung. Gemeint war aber wohl eher die fortschrittliche Imkerei, die

damals zusammen mit dem Buddhismus verbreitet wurde. Die Östliche Honigbiene Apis cerana lebte schon

länger in Korea. Ihr Honig wurde als eines der drei wundersamen Heilmittel angesehen, neben Ginseng und

Hirschgeweih.

Während sich die moderne Imkerei mit beweglichen Rähmchen, Mittelwänden und Honigschleudern in der

westlichen Welt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte, erreichten diese Neuerungen Korea

erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Dabei spielten auch Deutsche eine Rolle, wie der Benediktinerpater

Canisius Kügelgen. Der Missionar gilt als einer der Ersten, die die Westliche Honigbiene A. mellifera ins Land

brachten.

Anfangs wurde vor allem die Dunkle Biene A. m. mellifera eingeführt, ihr folgte ab den 1960er-Jahren A. m.

ligustica. Seit den 1980er-Jahren werden A. m. caucasica und A. m. carnicavermehrt eingeführt, doch in

letzter Zeit bevorzugen einige Imker wieder bestimmte Linien der Dunklen Biene. Heute halten rund zwei

Drittel der koreanischen Imker europäische Bienen. Ihre Bienenstände mit Langstrothbeuten sind

vorwiegend am Rande der Gebirge und in den landwirtschaftlich genutzten Gebieten zu finden. Dagegen

sind die Imker mit der heimischen Biene eher in den Bergen anzutreffen. Sie verwenden in der Regel

Holzklötze oder kleine Zargensysteme.

Die Zahl der Imkereien nahm in den letzten Jahren stark ab, wobei vor allem die kleineren Betriebe

betroffen waren. Im Jahr 2011 wurden 19.500 Imkereien mit 1,5 Millionen Völkern gezählt. Meist sind es

Männer, die die Bienen halten – der Frauenanteil liegt unter zehn Prozent. Zwar interessieren sich

heutzutage wieder mehr Menschen für die Imkerei, doch viele wollen erst als Rentner Bienen halten. Vor

allem in den Städten finden aber auch junge Menschen zur Imkerei. Jeder Imker in Korea ist auf die eine

oder andere Weise in einer Imkervereinigung organisiert. Es gibt zwei nationale Verbände und eine

Kooperative. Die größte Vereinigung ist der Koreanische Imkerverband (KBA). Dort sind rund zwei Drittel

der Melliferaimker Mitglied. Der Verband hat eine eigene Honigmarke und vergibt nach entsprechenden

Analysen ein Zertifikat für unverfälschten Honig. Der andere Verband vertritt die Halter der heimischen

Biene. Unabhängig von der Bienenart unterstützt die Koreanische Imkerkooperative die Imker durch den

An- und Verkauf von Imkereiprodukten.

Einige Großbetriebe bieten ihre Völker zur Bestäubung an. Dieser Service wird unter anderem im Erdbeer-

und Melonenanbau immer wichtiger. Daneben werden Gelée royale, Propolis und Bienengift von einigen

Betrieben in größerem Stil gewonnen. Die große Mehrheit der koreanischen Imker verdient ihr Geld aber

durch den Verkauf von Honig. Dabei macht Robinienhonig etwa 70 % der Ernte aus. Mit weitem Abstand

folgt Edelkastanienhonig. Seit einiger Zeit wächst zwar der Anteil anderer Sorten, wie Storaxbaum-, Linden-

und Hoveniahonig, doch Robinienhonig bleibt mit seiner klaren Farbe und seinem milden Geschmack der

beliebteste Honig im Lande. Die Honigproduktion hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. 2013 lag

sie bei rund 35.000 t. Da es nur wenige Bestrebungen gibt, den Honig zu exportieren, verbleibt er bislang

auf dem heimischen Markt. Allerdings nahm der Import von Honig zuletzt zu. So wurden 2013 knapp 700 t

Honig vor allem aus Neuseeland, Australien und den USA eingeführt. Dabei handelte es sich meist um

hochpreisige Sorten wie Manukahonig für zahlungskräftige Kunden. Inzwischen beginnt sich auch eine

koreanische Bioimkerei zu regen.

Der Verkaufspreis des Honigs ist eine der größten Sorgen der Imker. Dabei liegen die Preise in Korea im

Vergleich zum Weltmarkt recht hoch. Allerdings steigen auch die Herstellungskosten stetig an. Hier gilt es,

die Balance zu finden.

Daneben steht die Varroose an erster Stelle der Probleme. Bei vielen der fast weltweit verbreiteten

Varroen handelt es sich um den sogenannten Koreatyp; ihr Erbgut entspricht also dem der koreanischen

Milben. Somit ist die Halbinsel ein Heimatland dieser gefährlichen Parasiten. Um ihrer Herr zu werden,

verwenden die meisten Imker eine Kombination aus chemischen Mitteln, pflanzlichen Stoffen und

organischen Säuren.

Eine weitere Herausforderung sind zehn Hornissenarten, die in Korea leben. Sechs davon besuchen von

August bis Oktober die Bienenstände. Auch Bienenvergiftungen sind ein Problem, das zumindest teilweise

durch eine verbesserte Kommunikation zwischen Imkern und Landwirten behoben werden konnte.

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