18.06.15

Was ist ein Varroa-Gate?

Gudrun Koeniger: „Gate“ ist Englisch und bedeutet Schranke, Schleuse, Eingangstor oder auch Flugsteig.

Varroa-Gate steht hier für eine Schranke oder Schleuse, die eine Biene unbeschadet passieren lässt, aber

jede auf einer Biene befindliche Varroa abtötet.

Soll das Varroa-Gate eine herkömmliche Varroosebehandlung ersetzen?

Nikolaus Koeniger: Auf keinen Fall! Der Imker muss sein Volk wie üblich mit Ameisensäure oder einem

anderen Mittel behandeln. Der Erfolg seiner Behandlung würde dann durch das Varroa-Gate gesichert, das

vor Ende der Behandlung im Flugloch angebracht wird. Das würde bedeuten, dass die Imker nicht mehr

dem Risiko einer Rückinfektion ausgesetzt wären.

Soll das Varroa-Gate dauernd am Flugloch angebracht werden?

Gudrun Koeniger: Nein, der Einsatz ist für den Zeitraum nach der Spätsommerbehandlung vorgesehen. Im

Dezember, spätestens aber vor dem ersten Reinigungsflug, sollte es entfernt werden.

Uns stellt sich die Frage nach der Machbarkeit. Können Sie dieses Ziel erreichen?

Nikolaus Koeniger: Zunächst müssen wir nachweisen, dass es wirklich möglich ist, die versteckt auf der

Biene sitzende Milbe bei einer einzigen Passage auszuschalten. Dazu muss der gesamte Flugverkehr durch

das Varroa-Gate erfolgen. Das wiederum bedeutet, dass das Gate den Luftaustausch des Volkes und den

Abtransport von toten Bienen oder toten Drohnen nicht verhindern darf. Ein blockiertes Flugloch gefährdet

das Bienenvolk! Weiter muss das Varroa-Gate auf der Basis von Kontaktwirkung arbeiten. Die Milbe muss

während der Passage der Biene erreicht und nachhaltig getroffen werden. Wir gehen davon aus, dass die

Milbe in den folgenden 24 beziehungsweise 48 Stunden tot auf der Windel liegen sollte. Außerdem

brauchen wir eine lange Wirkungsdauer. Sie sehen also, dass noch viel Entwicklungsarbeit nötig ist.

Das klingt ja ziemlich kompliziert. Gibt es wirklich Aussicht auf Erfolg?

Gudrun Koeniger: Natürlich. Aber das können wir nicht allein. Wir brauchen Chemiker, Verfahrenstechniker

und Rückstandsanalytiker. Unser Projekt ist eine Zusammenarbeit mit der Bayer AG, deren Spezialisten uns

bei der Zusammenstellung der Wirkstoffe und der passenden Trägermaterialien unterstützen. Der erste

Schritt ist das Screening, an dem wir gerade arbeiten. In Käfigen mit jeweils zehn Bienen und zehn

Varroaen, sozusagen im Miniformat, überprüfen wir unsere Entwicklungsschritte. Das ist viel schneller und

auch billiger als Versuche mit Bienenvölkern.

Wie ist die Firma Bayer an diesem Projekt beteiligt?

Nikolaus Koeniger: Das ist den üblichen Weg gelaufen. Wir haben die Idee und das Konzept entwickelt,

einen Projektplan mit Kostenaufstellung gemacht und der Bayer AG vorgetragen. Dort hat man

beschlossen, unser Projekt zu unterstützen. Daraufhin ist zwischen der Universität Frankfurt und der Bayer

AG ein Vertrag abgeschlossen worden, auf dessen Grundlage wir zurzeit forschen. Prof. Dr. Bernd

Grünewald ist als Leiter des Instituts auch der Projektleiter. Weiter unterstützt uns die Mannschaft des

Instituts um Imkermeister Matthias Ullmann bei der praktischen Umsetzung. Für die wissenschaftliche

Durchführung sind meine Frau und ich verantwortlich. Auch bei Bayer hat unser Projekt eine hohe Priorität.

Man hilft, wann immer wir neue Prüfmuster oder chemische Analysen brauchen.

Werden bei uns verfügbare Varroamittel im Varroa-Gate eingesetzt werden?

Nikolaus Koeniger: Das können wir aufgrund von ersten Ergebnissen verneinen. Wir müssen nach neuen

Lösungen suchen.

«UKRAINIAN ECOLOGICAL GROUP» unterstützt Nikolaus Koeniger.